Poesie – die Kunst über und mit dem Wald

Waldpoesie Waldbaden

Viele Künstler haben in Gedichten, Bildern und Liedern das Thema Wald gewählt.

Der Wald als Inspirationsquelle! Das kenne ich. Als junge Frau habe ich bei meinen Waldstreifzügen Lieder erfunden. Für mich waren diese gesummten oder gesungenen Lieder oft in einer Fantasiesprache verfasst, mal mehr wie ein Madrigal, mal ein Indianergesang, ein andermal wie ein lupfiges Kinderlied.

Es gibt Waldlieder und eines mags ich ganz besonders: das von Konstantin Wecker. Eigentlich mag ich es mehr gesprochen, denn gesungen, als Gedicht vorgetragen. Bei einem Gedicht kann ich mir meine eigene Melodie vorstellen.

Waldgedichte zeigen oft eindrücklich, was den Dichter (leider seltener die Dichterin) bewegt hat. So kommt der Schalk und das verspielte bei Morgenstern (1871-1914) hervor, das Emotionale bei Theodor Storm und das Realistische bei Auguste Kurse (1815-1892). Besonders das Gedicht von Auguste Kurs scheint mir zeitlos zu sein. Ich möchte es hier vorstellen. Was gibt es noch mehr zu sagen? Die Worte auf der Zunge zergehen lassen, die Gedanken in den Wald schweifen lassen und geniessen:

Nur eine Stunde von Menschen fern,
nur eine einzige Stunde!

Statt der tönenden Worte
des Waldes Schweigen,
statt des wirbelnden Tanzes
der Elfen Reigen,
statt der leuchtenden Kerzen
den Abendstern,
nur eine Stunde von
Menschen fern!

Nur eine Stunde
im grünen Wald,
nur eine einzige Stunde!

Auf dem schwellenden Rasen
umhaucht von Düften,
gekühlt von den reinen
balsamischen Lüften,
wo von ferne leise
das Echo schallt,
nur eine Stunde
im grünen Wald!

Nur eine Stunde
im grünen Wald,
nur eine einzige Stunde!
Wo die Halme und Blumen
sich flüsternd neigen,
wo die Vögel sich wiegen
auf schwankenden Zweigen,
wo die Quelle rauscht
aus dem Felsenspalt,

nur eine Stunde
im grünen Wald!

Gedicht von Auguste Kurs
(deutsche Dichterin 1815-1892)