Replik zu Handen Claude Jaermann, Journalist bei SPUREN

Die neuste Ausgabe von SPUREN , dem Magazin für Spiritualität und Ökologie handelt vom Thema Wunder Welt Wald. Der Journalist Claude Jaermann hat dazu auf zwei Seiten seine Meinung geschrieben. Er schlägt vor, 2020 eine Alternative zu Waldbaden zu erfinden. Hier ist meine Replik, die ich ihm per Mail zukommen liess.
Aber Lesen Sie doch selbst im SPUREN, Ausgabe 136 Sommer 2020.

Lieber Claude

Ich habe mich über deinen Alternativvorschlag zu Waldbaden herzlichst amüsiert.
Leider muss ich dich enttäuschen: das „Waldduschen“ gibt es bereits, blöd nicht? Die Franzosen übersetzen Shinrin Yoku als Waldduschen. Auch wird beim Lesen des Textes klar, dass du aus folgenden Gründen gar keine Ahnung von Waldbaden hast;  sorry, ich muss das Wort, welches dich zum Schäumen bringt noch ein paar Mal erwähnen:
– Spazieren im Wald hat rein gar nichts mit Waldbaden zu tun. Beim Spazieren gehen ist das Tempo meist viel zu schnell im Vergleich zum Schlendern des Waldbadens.
Achtsamkeit ist das Thema und dies hat mit Verlangsamung zu tun, welche die Menschen ins Hier und Jetzt bringt. Langsamkeit ist in vielerlei Hinsicht hilfreich, auch wenn es zu Beginn schwer fällt.
– Damit sind wir beim Thema Ökologie und Gleichgewicht angelangt. Menschen, die sich schweigend, langsam und achtsam durch den Wald bewegen, schrecken Tiere kaum auf. Im Gegenteil: die Tiere sind neugierig. Ich kann kein einziges Tier nennen, das vor mir geflüchtet ist. Es waren viele, angefangen bei Hasen, Fuchs, Reh und den vielen Vögeln (Tannenmeisen, Amseln, Specht, Kleiber, Eichelhäher, usw.) die sich teilweise meiner Wenigkeit angenähert haben.
– Wenn Menschen anfangen, die Natur mit ihren Sinnen zu erleben, dann sind sie auch an Ökologie interessiert. Der Respekt und das Staunen über die Natur steigt eindeutig. Dies kann ich als Kursleiterin von Waldbad-Kursen bestätigen und dokumentieren.
– Das Problem der heutigen Menschheit ist nicht alleine der Bürostuhl, sondern die stetig zunehmende Hektik und der Lärm und weitere Stressoren. Viele der Stressoren waren schon um 1900 herum ein Problem, das belegen Aussagen z.B. von Jacque Dalcroze in seinem Buch. „Rhythmus, Musik und Erziehung“ und andere Verfechter ihrer Zeit. In den Megacities dieser Welt, insbesondere in Japan sind die Stressoren um ein vielfaches höher. Nicht umsonst kennt man in Japan den Begriff „Karoshi“ (Tod durch Überarbeitung.
– Das „Baden im Wald“ bedeutet, dass Menschen mit allen Sinnen in die Waldatmosphäre eintauchen, ihrer wahren Natur und der Verbindung zur Natur wieder nahe kommen, innere Ruhe erfahren, Respekt entwickeln, Zusammenhänge erfahren und sich dabei noch erholen. Was genau ist daran schlecht?
Und zu guter Letzt: ich lade dich gerne ein, an einem 2-Tages Workshop BASIC teilzunehmen, um den Unterschied zwischen Spazieren und Bonsais als Walddusche zweckzuentfremden versus die innere Ruhe im Wald durch Achtsamkeit und Schlendern zu erleben. Nun könnten wir noch darüber diskutieren, warum dazu ein Kurs gebucht werden sollte, da wir Naturtalente in Achtsamkeit im Wald sind? Auf diese Diskussion lasse ich mich dann gerne nach diesen 2 Tagen ein 🙂
Ach ja: der Co2 Ausstoss der menschlichen Atmung ist gerade mal ein Klacks für den Wald!
Herzlicher Waldgruss
bis bald – im Wald
Zoë