Waldbaden und Esoterik

In Interviews wird immer wieder danach gefragt, ob Waldbaden eine esoterische oder spirituelle Praxis sei.

Befassen wir uns mit der Herkunft und der Wortbedeutung der beiden Begriffe (Quelle: Wikipedia):

  • Esoterik (altgriechisch ἐσωτερικός esōterikós ‚innerlich‘, dem inneren Bereich zugehörig, von innen her [verstehbar]) ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist.
  • Spiritualität (lateinisch spiritus ,Geist, Hauch‘ bzw. spiro ,ich atme‘) ist die Suche, die Hinwendung, die unmittelbare Anschauung oder das subjektive Erleben einer sinnlich nicht fassbaren und rational nicht erklärbaren transzendenten Wirklichkeit, die der materiellen Welt zugrunde liegt.

Shinrin Yoku (übersetzt mit Waldbaden) ist ganz klar keiner von beiden Bedeutungen zuzuschreiben,
und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Shinrin Yoku ist eine Methode, welche für alle Menschen zugänglich ist.
    Sie ist ohne Einschränkungen praktizierbar, auch wenn gewisse Anpassungen vorgenommen werden müssen,
    zum Beispiel wenn jemand ein gesundheitliches Problem hat.
  2. Shinrin Yoku ist sinnlich fassbar, da es die Sinne aktiv und bewusst miteinbezieht.
  3. Shinrin Yoku ist rational erklärbar, da sich die Effekte auf wissenschaftlichen Fakten und Erkenntnissen abstützen.
  4. Shinrin Yoku kann ein starkes subjektives Erleben bewirken und auch philosophische Gedankengänge anregen.
    Das ist nicht das primäre Ziel von Shinrin Yoku.

Was ist das Ziel der Shinrin Yoku Methode?

Das Ziel der Shinrin Yoku Methode ist die Gesundheitsprävention und Stressreduktion.

Durch praktizierte Achtsamkeit – am Waldbaden Institut Schweiz wird insbesondere auf die achtsame und gewaltfreie Sprache geachtet – kann das Erleben des Einzelnen eine Resonanz in der Gruppe finden. Deshalb bieten wir auch solche Kurse in Gruppen an. Weil der Effekt sowohl kurz- wie auch langfristig beobachtbar und durch zahlreiche mündliche Aussagen belegbar ist, sind wir der Überzeugung, eine nachhaltige und für den Menschen segensreiche Methode entdeckt zu haben.

Deshalb grenzt sich das Waldbaden Institut Schweiz auch ab von Vermischungen mit esoterischen oder spirituellen Praktiken, wenn gleich die Achtsamkeit/MBSR ursprünglich aus der Zenpraxis entwickelt wurde. Das Waldbaden Institut Schweiz ist die erste und einzigartige Institution, welche Achtsamkeit in dieser Form lehrt und praktiziert, weil wir uns u.a. mit verschiedenen kommunikativen Methoden befassen.

Auch der Vermischung mit weiteren Methoden, wie zum Beispiel Yoga, Schamanismus, Kräuter und Beeren sammeln, um nur einige zu nennen, stehen wir kritisch gegenüber. Mit Vermischung ist gemeint, dass die einzelnen Methoden nicht mehr ausgewiesen werden und alles unter dem Hype “Waldbaden” verpackt wird. Hingegen kann ein Angebot durchaus Yoga und Waldbaden heissen: in diesem Falle werden beide Methoden klar ausgewiesen und auch so unterrichtet.

Es gibt eine Ausnahme: Qi Gong wird häufig bei Waldbaden Ausflügen praktiziert, weil es einfache körperliche Übungen im Stehen unter Einbezug des Atems enthält. An kalten, regnerischen und windigen Tagen hat sich Qi Gong bewährt. Allerdings umfassen diese Übungen einen Bruchteil des Kurses und die dahinter stehende Philosophie ist nicht Teil des Kurses.

Waldbaden soll als segensreiche Methode weiterhin bestehen und sich entwickeln. Dazu braucht es gut ausgebildete Kursleitende. Das Waldbaden Institut Schweiz hat viele Kursleitende ausgebildet und wir verbessern unsere Qualität stetig. Unsere Ausbildung wird fortlaufend evaluiert und angepasst, weil wir unseren Fokus von Anfang an auf Qualität gelegt haben. Die Plätze in allen Kursen und Ausbildungslehrgängen sind begrenzt, um diese Qualität zu halten.

2023 wird es möglich sein, vertieft in das Thema Waldbaden mit allen Sinnen einzutauchen durch ein ergänzendes Angebot:
Green Empowerment©. Es ist als persönliche Weiterbildung und/oder als Ergänzung zu einer bestehenden Ausbildung buchbar.

Warum Achtsamkeit nicht “Gleichgültigkeit” bedeutet

Alle reden von Achtsamkeit. Plötzlich wird dieser Begriff in jedem erdenklichen Zusammenhang erwähnt. Fast entsteht der Eindruck, dass Achtsamkeit zum Modebegriff verkommen ist. Modebegriffe haben die Eigenschaft, dass sie zum Unwort werden. Das wäre im Falle der Achtsamkeit sehr schade. Denn Achtsamkeit hat etwas mit Achtung zu tun, mit Langsamkeit, mit Respekt und mit Präsenz. Und: es bedeutet keineswegs, einfach zu allem Ja zu sagen.

In der Präsenz die eigene Wahrnehmung (vorerst mal für sich selbst) zu schärfen, ist wohltuend.

Weg mit dem Mobile, weg mit der Reizüberflutung, weg mit Bewertungen. Hin zur wertfreien Betrachtung, hin zur Kontemplation, hin zur Langsamkeit und Präsenz, hin zu liebevoller Akzeptanz (zum Beispiel, dass ich so bin wie ich bin), hin zur Wahrnehmung.

Wertfrei und gleichgültig sind zwei Paar Schuhe. Denn etwas nicht zu bewerten, kann entlasten (vor allem das Nervensystem). Die Wahrnehmung ist vorhanden und ich gewähre einen bewusst gewählten Moment der emotionalen Distanz. Wäre ich gleichgültig, würde ich nicht mal meine Emotion wahrnehmen können.

“Das geht mir am A….. vorbei” ist ein gängiger Ausdruck und drückt bestimmt nicht Gleichgültigkeit aus. Wegsehen hat auch nichts mit Gleichgültigkeit zu tun. Gleichgültige Menschen halten ihre Emotionen so unter Verschluss, dass sich emotional nichts bewegt. Als Schutzmechanismus ist dies durchaus nachvollziehbar und für gewisse Momente sicher hilfreich. Auf lange Sicht kann dies zum Problem werden, es sei denn, im Umfeld wird Gleichgültigkeit geschätzt und ist ein gängiges Verhalten… Gleichgültigkeit kann durchaus zelebriert werden, obwohl die Gefühle im Innern hochkochen.

Achtsamkeit bedeutet auch nicht, zu allem Ja zu sagen. Es kann durchaus auch bedeuten, sich bewusst abzugrenzen. In unserer Gesellschaft wird Abgrenzung oder eine klare Position zu beziehen, oft negativ bewertet. Abgrenzung mit Achtsamkeit hat etwas damit zu tun, dass die Person zu sich selber schaut. Selbstfürsorge ist sehr wichtig, denn ohne Selbstfürsorge können wir nicht authentisch agieren und handeln oft gegen uns selbst.

Achtsame Menschen werden oft dahingehend interpretiert, dass viel Toleranz und Akzeptanz für Situationen aufgebracht werden muss, auch dann, wenn dies nicht angebracht ist. Es geht immer um eine innere Haltung: Handle ich gegen etwas oder für etwas. Für mich ist dies ein entscheidender Unterschied. Ich kann durchaus achtsam sein, wenn ich eine Entscheidung fälle, die für andere nicht angenehm ist. Empfinde ich selber eine Haltung, Aussage oder Entscheidung des Gegenübers als unangenehm, liegt es wiederum an mir, mich mit meinen Werten auseinanderzusetzen und zu reflektieren.

Unser dynamisches Leben, um es mal positiv auszudrücken, lebt von Tempo und Druck. Die Zeit für Musse, Kontemplation, Sinnfindung und Kreativität bleibt oft auf der Strecke. Genau deshalb ist Achtsamkeit schon fast subversiv und notwendig: ich darf SEIN. Wundervoll.

Ich wünsche Ihnen einen achtsamen Tag!